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Mittwoch, 1. März 2006
Begegnung der 3. Art

Hab ich schon erzählt, dass ich gestern mit H.C. Strache im Kaffeehaus war?

Also, wir waren nicht verabredet oder so. Aber er war halt auch gerade zufällig zur selben Zeit im selben Kaffeehaus wie ich.

Ich sag aber nicht in welchem.
Das könnte geschäftsschädigend sein....

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Freitag, 17. Februar 2006
Mass

Gestern war es also so weit. Im FestspielHaus St. Pölten gab man Leonard Bernsteins Mass.

Ich wusste nicht ganz, was mich da erwartete, ging brav zur Werkseinführung und war nachher nicht viel gescheiter. Dass das Werk eher kontroversiell sein würde, wusste ich schon. Dass es teilweise "wüst" sein würde auch.
Also versuchte ich das eben gehörte wieder zu vergessen, und mir die konzertante (leider!) Aufführung so unbefangen wie möglich anzuhören.

Schließlich war es soweit. Die Bühne gerammelt voll von musizierwilligen Menschen. Dann Dunkelheit. Nur das Regiepult in schummrigem Blau und die Kontrollleds auf der Bühne. Irritation im Publikum, da das Stück mit einer Tonbandeinspielung beginnt. Aus jedem Lautsprecher dringt eine andere Stimme, die Zusammen einen neumodernen Choral ergeben.
Bald schon der erste Gänsehaut - Anfall, als der Solist des Tölzer Knabenchors anhob. Ich will nicht zuviel interpretieren, aber dieses Knabensopran - Solo wird wohl eine kleine Reminiszenz an längst vergangene Kirchenmusizierpraktiken gewesen sein.
Dann kam ein Teil, in dem ich mir dachte, hoffentlich ist es bald aus. Sehr anstrengend die Musik, die Handlung nur angedeutet, durch viel Unruhe bringende Auf- und Abtritte.
Als ich mich aber an das stete Hin- und Her gewöhnt hatte ging es. Und rasant näherte sich das Werk der Schlüsselszene, dem "Agnus Dei".

Ich hab schon vielerlei Musik in meinem Leben gehört, auch schon viel Musik gemacht, viele erhebende Werke gehört und selbst gespielt und oft genug, war ich sehr gerührt. Meistens von einer sehr gelungenen Aufführung.
Noch nie aber saß ich in einem Konzertsaal und musste heiße Tränen weinen, weil mich Text und Musik so dermaßen ergriffen. Was war ich froh um die Dunkelheit im Konzertsaal. Und wie war ich irritiert, dass eine Reihe hinter mir hysterisch gelacht wurde, während ich die ganze Verzweiflung der Hauptfigur mitmachen musste. Mein Knödel im Hals war nicht zu schlucken, die Tränen liefen ohne dass ich sie hätte aufhalten können und meine Atemfrequez war unüberhörbar hoch, Schweiß brach mir aus allen Poren.
Chor und Orchester peitschten sich gegenseitig auf in ein hohntriefendes "dona nobis pacem", Aufruhr, Perversion - denn im Ruf nach Frieden bricht das absolute Chaos aus, die ganze Bühne wiegt sich im Wahnsinnstakt, ein einziger Hexenkessel an Rhythmus, brutalen Harmonien, übereinandergelagerten Stilen, Höllenlärm
- und dann zerbricht das Gefäß des Glaubens, der Kelch des Sakraments und man fühlt sich auf einmal unendlich einsam in dieser Welt...

Doch Bernstein lässt einen nicht lange alleine im Dunkel des Zweifels. Er tröstet. Er führt zurück in dem er die Klammer gekonnt und keine Sekunde zu früh setzt - wieder der Knabe. Aus dem "Simple Song" ist ein "Secret Song" geworden. Was vielleicht die passendere Aufforderung ist. "Laudate" singt man. Leise, fast schüchtern.

"The mass is ended, go in peace."

Fassungslose Stille.
Dann der erlösende Applaus.

Ein grandioses Werk in einer sehr guten Aufführung. Goße Leistung von den Chören, die der Wandlung des Stückes vollauf gerecht wurden. Guter Dirigent, der die Mitwirkenden keine Sekunde alleine ließ.

Und am Ende doch so viel Verwirrung. Weil ich nicht dachte, dass mich etwas so anrühren kann, dass ich selbst jetzt in der späten Reflexion darüber noch ganze ergriffen bin...

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Dienstag, 14. Februar 2006
Wie weit kann man gehen?

An und für sich habe ich für mich beschlossen, die Schule an freien Tagen Schule sein zu lassen. Nur habe ich gestern etwas gemacht, das mich noch immer beschäftigt.
Ich habe ja, wie ich am Anfang des Schuljahres berichtete, den Theorieunterricht geerbt. Bald schon (obwohl es nur 7 Schüler sind) haben sich 4 Fraktionen gebildet:
* die "Streberhaxn"
* die "Spaßfraktion"
* die "Ich - weiß - nicht - zu - wem - ich - gehöre - Fraktion"
und
* die "Ich - bleib - hier - sitzen - und - wundere - mich nurmehr - Fraktion"
Erstere, Liebling meiner Person. Sie arbeiten mit, denken mit, bringen sich ein.
Zweitere, schwierig zu handlen, Mädchen, die sich herrichten, als wären sie 17+, steht man allerdings halbwegs dicht vor ihnen, sieht man ihnen das Kind noch überdeutlich an.
Drittere hat Spaß und tut mit, zumindest bemühen sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
Viertere besticht durch intelligente Schmähs.

Gestern nur, stellte ich irgendeine Preisfrage (das sind die, die die Antwort schon in sich tragen, so alla "Hol's der Geier, mit Oliver Baier"). Die richtige Antwort kam, nach einer fair bedachten Bedenkzeit für die übrigen Fraktionen, von den "Streberhaxn".
Nun zählte ich selbst während meiner Schulzeit nie zu den Strebern. Ich hatte lediglich manchmal helle Momente und nutzte die auch, die richtigen Streber, die Gebildetheit vorgaben, aber in Wirklichkeit nur lauter Blödsinn daherredeten konnte ich auf den Tod nicht ausstehen. Die Leute, die einfach nur blitzgescheit waren, bewunderte ich immer zutiefst.
Ich wandte meinem Publikum gerade den Rücken zu, auf dem Weg zur Tafel (yeah, endlich steh ich auf der Seite, die ständig auf der Tafel herumschmieren darf!), die richtige Lösung aufzuschreiben, als ich von hinter mir tief verächtlich zischen hörte: "Blede Strebhaxn!"
Ich wirbelte herum, ging wortlos zur Geräuschquelle, baute mich vor ihr auf, stützte beide Hände auf den Schultisch, neigte mich vor, auf 30cm Abstand zwischen ihr und mir und zischte genauso verächtlich und genauso gut hörbar für alle: "Ich finde es achtenswert, viel zu wissen und mitzuarbeiten. Aber es ist peinlich, nichts zu wissen und andere als Streber zu bezeichnen."
Die Farbe des Kopfes, aus dem zuvor dieses unsägliche Geräusch gekommen war, wechselte schlagartig auf dunkelrot. Augen wurden niedergeschlagen und hysterisch drauflos gekichert. Mir war nicht danach zu kichern.
Etwas säuerlich nahm ich meinen Weg zur Tafel wieder auf.

Und jetzt sitze ich da, und frage mich, ob ich nicht meine Kompetenz deutlich überschritten habe...

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ich mir mit der brille von vor 20 jahren (zum...
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